Stück des Monats

8. Oktober 2017


Wie jedes andere Museum auch zeigen wir nur einen Teil des Museumsbestandes in der Dauerausstellung. Vieles ist im Depot eingelagert, katalogisiert und fachmännisch konserviert, um es vor dem Verfall zu retten. Gezeigt werden können diese Stücke in Sonderausstellungen aber auch in der Dauerausstellung, sollte diese einmal umgestaltet werden.

Ausgewählte Exponate aus dem Depot sind aber auch für eine bestimmte Zeit als "Stück des Monats" im Museum ausgestellt.

Beim Ausstellungsstück des Monats geht es um den

 

Simplicissimus
(deutsch: der Einfältige)

 

Der Simplicissimus war eine satirische Wochenzeitung, die vom 4.April 1896 bis 13.September 1944 erschien.
Der junge Verleger Albert Langen unter Beteiligung von Frank Wedekind zielte in der Zeitschrift auf die wilhelminische Politik, der bürgerlichen Moral, die Kirchen, die Beamten, Juristen und das Militär. Die bekanntesten Zeichner waren: Karl Arnold, Olaf Gulbransson, Wilhelm Schulz, Rudolf Wilke, Bruno Paul.

In der Redaktion arbeiteten Schriftsteller und Journalisten wie Frank Wedekind, Ludwig Thoma, Hermann Hesse, Bruno Frank, Peter Scher, Robert Walser, Erich Kästner, Arthur Schnitzler, Heinrich und Thomas Mann u. a. In den ersten Jahren gab es große Überschneidungen mit den Illustratoren der ebenfalls in München erschienenden Konkurrenzzeitschrift „Jugend“. Der Simplicissimus soll am 4.April 1896 mit einer sehr hohen Auflage gestartet sein. Die Rede ist von 300000 Exemplaren die jedoch weitgehend unverkauft blieben. Die hohe Startauflage war sicherlich eine PR-Strategie von Albert Langen der von Beginn an am Mythos seiner Zeitschrift arbeitete.

Für die ersten Jahrgänge betrug die Auflage wohl wenige 1000 Exemplaren. Zwar stiegen die Beliebtheit und damit der erzielte Umsatz der Zeitschrift rapide an, es dauerte aber lange, bis er für den Verlag profitabel wurde.

Die meisten festen Mitarbeiter der Zeitschrift kamen nicht aus Bayern. Der Zeichner Engl und besonders Ludwig Thoma sorgten jedoch dafür, dass ein bis dahin in der Schriftsprache nicht übliches bayerische Idiom typisch für die Zeitschrift wurde. Außerdem lebte vielen Witze von den Spannungen zwischen Preußen und Bayern, wobei die Sachsen regelmäßig die Dummen geben mussten.

Das Blatt wurde bald von mehreren Schicksalsschlägen getroffen. 1906 verließ Bruno Paul München, der Zeichner Engl starb 1907, es folgten die Publikumslieblinge Wilke und F. v. Reznicek und 1909 starb ebenfalls überraschend Albert Langen. Nach seinem Tod setzte Heine auf das Titelblatt die Unterschrift: „begründet von Albert Langen und Thomas Theodor Heine“, eine Zeile, die bis zu Heines Flucht ins Exil nur in wenigen Ausnahmefällen nicht gedruckt wurde. Wirtschaftlich prosperierte jedoch das nun und gültig als publizistische Macht der Opposition etablierte Blatt, das mit einer Beilage für Inserate auf bis zu 16 Seiten anwuchs.
Obwohl der Simplicissimus noch 1914 die zunehmende Militarisierung der Außenpolitik und der Fahrlässigkeit der Diplomatie scharf kritisiert hatte, gab die Redaktion mit dem Beginn des Ersten Weltkrieg im Rahmen der allgemeinen Kriegsbegeisterung ihre kritische Haltung auf.

Aus den Memoiren von Sinsheimer geht hervor:
„Ludwig Thoma, der Chefredakteur und mehr als das, kam ziemlich gebrochen zu dieser Sitzung und machte den unzweideutigen Vorschlag das Blatt eingehen zu lassen. Er war, wie die übergroße Mehrheit der Deutschen davon überzeugt, Deutschland sei überfallen worden und es sei ein Defensivkrieg und ein Krieg um seine Existenz den es zu führen habe und dem sich kein Deutscher entziehen kann. Ein bleiernes Schweigen folgte Thomas Worten. Da begann Th. Heine zu sprechen. Er sagte etwa , es sei falsch, zu glauben, die Zeit sei nun vorüber, vielmehr sei jetzt erst wieder und erst recht eine große Zeit für sie alle gekommen, wenn sie sich auf dem Boden der Tatsachen, nämlich des Krieges stellen und die Kriegspolitik unterstützen und sich zum bedingungslosen Patriotismus bekennen. Damit hatte Heine alle hinter sich. Auch Thoma stimmte zu und der Simplicissimus war gerettet. Mit der Ausrufung der Weimarer Republik war der Simplicissimus in der Regierungsform angekommen, für die er sich stark gemacht hatte. Von Beginn an wurden nun die Wirren der Formierung eines neuen Regierungssystems und das parteipolitisch Taktiererei gnadenlos bloßgestellt. Befremdlich wirkte der Hass, der in den Witzen über die alliierten Siegern insbesondere dem französischen Erbfeind entgegenschlägt. Während der Tage der Machtergreifung, in der Nacht vom 10. auf den 11. März verwüsteten die SA die Redaktionsräume. Nach massiver Bedrohung unterschrie-
ben am 23.März 1933 die Teilhaber eine Erklärung, dass das Blatt „künftig in streng nationalem Geist verwaltet und geführt“ werden solle. Die widerstandslose Gleichschaltung löste unter den Emigranten große Empörung aus. Am schärfsten hat dies Klaus Mann formuliert: Von allen im Dritten Reich gedruckten Widrigkeiten ist mir die „satirische“ Wochenschrift Simpl der widrigste“. Die folgenden zehn Jahre sind von braver Unterhaltung im Plauderton geprägt – die idyllische Lyrik wirkt Angesicht der Verhältnisse grotesk. Am 13. Sept.1944 wurde die Zeitschrift eingestellt.



13. Juli 2017


Wie jedes andere Museum auch zeigen wir nur einen Teil des Museumsbestandes in der Dauerausstellung. Vieles ist im Depot eingelagert, katalogisiert und fachmännisch konserviert, um es vor dem Verfall zu retten. Gezeigt werden können diese Stücke in Sonderausstellungen aber auch in der Dauerausstellung, sollte diese einmal umgestaltet werden.

Ausgewählte Exponate aus dem Depot sind aber auch für eine bestimmte Zeit als "Stück des Monats" im Museum ausgestellt.

Wegen der bevorstehenden Baumaßnahmen gibt es zur Zeit kein Stück des Monats