Lesung – „gehen lernen“

Donnerstag, 26. Februar 2015

Lesung

„gehen lernen“
Die 50er und 60er Jahre – gesehen mit den Augen eines Kindes


Eine Kindheit in den Fünfziger- und  Sechzigerjahren, als die Fahrt von Regensburg nach Straubing noch eine Weltreise war, die Krimiserie Dicky Dick-Dickens im Radio lief und kleine Schwestern noch vom Storch gebracht wurden. Damals gab es einen Eisernen Vorhang und brave Kinder erhielten zum Lohn für ihre Geduld im Schuhgeschäft ein Lurchi-Heft. Die Russen schießen eine Rakete ins Weltall, im Fernsehen kommt die Heimkehrerserie „Soweit die Füße tragen“.

Ein Kind beginnt Wörter auszuprobieren. Manche sind ihm zu eng, andere zu weit. Vor allem aber lernt es, dass es neben den glänzenden Wörtern auch kratzige Wörter gibt. „Wörter, dass die Fetzen fliegen“. Schritt für Schritt schärft es seinen kritischen Blick auf die Menschen und die Dinge ringsum. Vor allem aber muss es sich auch mit dem kriegsversehrten Vater auseinandersetzen.

Nur mühsam lernt es sich in einer Welt mehrerer Sprachebenen zurechtzufinden: Bairisch – wie alle anderen Kinder – soll es nicht reden. Da heißt es nur „Red anständig!“

Schlesisch wie Mutter und Großmutter – das versteht kein Mensch.

Schriftdeutsch? Da machen sich die anderen Kinder lustig.

Also wie dann? Lateinisch wie die Ministranten? Englisch wie die Amisoldaten? Das Kind redet leiser und leiser. Kein Wunder, dass es die Lehrerin schon bald „Zeiserl“ nennt und, dass in seinem Zeugnis steht: „Der ruhige zurückhaltende Schüler sollte mehr aus sich herausgehen.“

Bio-Bibliografie
Harald Grill, geboren am 20.7.51 in Hengersberg, Kindheit und Jugend Regensburg, lebt seit 1978 mit seiner Familie in Wald /Landkreis Cham,
1973 bis 1988 Pädagogischer Assistent, seit 1988 Freier Schriftsteller,
1989/ 1990 Drehbuchwerkstatt / Hochschule für Film und Fernsehen in München,
seit 1991 regelmäßig Features für den Bayerischen Rundfunk
2000/ 2001 Projekt „Zweimal heimgehen“ – zwei Spaziergänge, einmal vom Nordkap und danach von Syrakus zu Fuß nach Regensburg
Mitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) und des PEN-Zentrums der BRD.

Auszeichnungen (u.a.)
Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1992)
Marieluise-Fleißer-Preis (2003)
Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz (2006)
Literaturpreis des Oberpfälzer Jura (2006)
Landshuter Literaturtage „Harald Grill und der bairische Dialekt“ (2011)
Aufenthalt in der Villa Concordia, Bamberg (2012/2013)

Veröffentlichungen (u.a.):
•  Gute Luft – auch wenn’s stinkt. Reinbek 1983
•  Da kräht kein Hahn nach dir. Erzählung. Reinbek 1990
•  wenn du fort bist, gedichte. Hauzenberg 1991

•  hinüber, gedichte. Viechtach 1996
•  bairische gedichte. Viechtach 2003
•  Hochzeit im Dunkeln. Roman. München 2008
•  auf freier strecke. gedichte. München 2008
•  Gesichter eines Dorfes. Foto-Text-Band zus. mit Stefan Winkelhöfer. Amberg 2009
•  gehen lernen. Roman in Geschichten. München 2010
•  Via Crucis. Foto-Text-Band zusammen mit Stefan Winkelhöfer. München 2011
•  a glaander aus luft. bairische nachdichtungen. Viechtach 2011

Weitere Informationen: http://www.haraldgrill.de

Veranstaltungsort: Pfarrsaal St.Johannes
Beginn: 19:30 Uhr
Karten an der Abendkasse